Wachsende Bedeutung von Sichtbarkeit
Sichtbarkeit gewinnt in der Wissenschaft an Bedeutung. Mittlerweile wird sogar von einem Sichtbarkeitsimperativ gesprochen, dem Wissenschaftler:innen unterworfen sind. Oftmals wird die Diskussion auf Social-Media-Präsenz verkürzt. Sichtbarkeit ist jedoch viel komplexer und geht weit darüber hinaus.
Sichtbarkeit(en) erkennen
Im beruflichen Handeln als Professor:in spielt Sichtbarkeit auf den ersten Blick keine zentrale Rolle. Professor:innen lehren, forschen, arbeiten in Gremien mit, sind in der Praxis aktiv. Aber: In allen diesen Feldern ist Sichtbarkeit relevant. Und es ist wichtig, sich das bewusst zu machen.
Vielfältige Sichtbarkeiten
Sichtbarkeit ist vielfältig. Publikationen und Vorträge sind in der Wissenschaft die gängigsten Beispiele hierfür. Sie sind wichtig für Evaluationen und Drittmittelakquise. Sichtbarkeit geht aber weit darüber hinaus. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) sind beispielsweise Praxiskontakte bedeutsam (siehe Sichtbarkeit an HAW). Auch Gremienarbeit in der eigenen Organisation gehört dazu.
Sichtbarkeit bewegt
Gerade Professorinnen wollen oft nicht als Personen sichtbar sein. Es geht ihnen um Themen und Inhalte. Sie wollen zu Veränderung beitragen. Das gilt für Forschung, Praxis und die eigene Organisation. Sichtbarkeit ist dafür allerdings zentral (siehe auch Warum ist Sichtbarkeit in der Wissenschaft wichtig?). Denn nur wer sichtbar ist, kann etwas bewegen.
Sichtbarkeit als aktive Handlung
Sichtbarkeit ist das Ergebnis von konkretem Tun. Das heißt, Sichtbarkeitshandeln ist grundlegend dafür, wie Wissenschaftlerinnen sichtbar werden. Im Rahmen der Ressourcen, die Professorinnen haben und verwenden wollen, können sie über ihre Sichtbarkeit entscheiden. Wie sie jedoch gesehen werden, ist nicht immer vorhersehbar.
Sehen und gesehen werden (Doing Visibility)
Sichtbarkeit ist ein Wechselspiel von Darstellen und Wahrnehmen. Es ist dann erfolgreich, wenn die Sichtbarkeitshandlungen auch wahrgenommen werden. Sichtbarkeit ist also ein sozialer Prozess, der in der Interaktion entsteht.
Einflussfaktoren auf die Sichtbarkeit
Sichtbarkeitshandeln und das Wahrnehmen der Adressat:innen werden von verschiedenen Faktoren bewusst und unbewusst beeinflusst: etwa von vorherrschenden Geschlechternormen, von zeitlichen Ressourcen oder von der Unterstützung durch die Institution. Gerade Frauen werden als Wissenschaftlerinnen oft übersehen oder zuerst als Frauen und dann erst als Expertinnen wahrgenommen (siehe auch Sichtbarkeit und Geschlecht oder Sichtbarkeit als Wissenschaftlerin).