Sichtbarkeit und Geschlecht

Geschlecht wird auch beim Thema Sichtbarkeit relevant. Frauen werden eher übersehen oder auf ihr Aussehen reduziert als Männer. Sie wollen und können aber auch Role Model sein. Was Sie dazu wissen sollten!

Gender Gaps

Auch wenn es überholt erscheint: Geschlecht spielt immer noch eine wichtige Rolle bei Ungleichheiten und damit ebenso beim Thema Sichtbarkeit. Wenn Frauen dasselbe hinsichtlich Sichtbarkeit tun wie Männer, kommt nicht zwingend das Gleiche heraus. Damit können und müssen Frauen aber einen adäquaten Umgang finden. Diese Ungleichheit zeigt sich beispielsweise auch anhand verschiedener Indikatoren. 74 % der Expert:innen im TV 1 sowie 94 % der Nobelpreis-Gewinner:innen sind männlich 2. Lediglich 17 % der Biographien in Wikipedia sind über Frauen. 3 Wissenschaftlerinnen halten seltener Vorträge und werden weniger zitiert (Gender Speaker und Citation Gap). 4

"Ich habe inzwischen eine Sammlung farbiger Blazer. Also ich war jetzt gerade auf einer großen wissenschaftlichen Konferenz, und da bin ich auch mit meinem farbigen Blazer wieder rumgelaufen. Damit mich halt jeder sieht."

(Zitat aus der Prof:inSicht-Befragung)

Übersehensmanagement – wider die Norm

Sich an Normen, etwa an die Kleidernorm, zu halten, kann bei Frauen dazu führen, dass sie nicht wahrgenommen werden. So wie oben zitierte Professorin. Diese hat sich dafür entschieden, auffallendere Kleidung zu tragen, um nicht übersehen zu werden. Welcher Weg hierfür der Beste ist, muss jede Wissenschaftlerin für sich selbst entscheiden.

Sichtbarkeit versus Weiblichkeit: Ein Balanceakt

Forschungsergebnisse zeigen, dass mit wissenschaftlicher Sichtbarkeit bei Frauen immer auch Weiblichkeit mit im Blick ist. Das Streben nach Sichtbarkeit und Macht entspricht nicht unbedingt vorherrschenden Weiblichkeitsnormen. Dies auszubalancieren ist Teil des Sichtbarkeitshandelns von Frauen und braucht mitunter Mut und Kraft.

Role Model sein

Sichtbare Wissenschaftlerinnen beweisen: Es geht, Frauen können Expertinnen sein und in der Wissenschaft bestehen. Das ist für Studierende und den wissenschaftlichen Nachwuchs eine wichtige Botschaft (siehe auch Sichtbarkeit als Wissenschaftlerin). Nur knapp 23 % der Professor:innen in Deutschland sind Frauen. Damit ist Deutschland das Schlusslicht im europäischen Vergleich. 5

Quellen:

1
Prommer, Elizabeth; Stüwe, Julia; Wegner, Juliane (2021): Sichtbarkeit und Vielfalt: Fortschrittsstudie zur Audiovisuellen Diversität. Universität Rostock. Rostock. Online verfügbar unter https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/SICHTBARKEIT_UND_VIELFALT_Prommer_Stuewe_Wegner_2021.pdf, zuletzt geprüft am 14.03.2022.
2
Meta IFiF (2023): Frauenanteil Nobelpreis - Wie hoch ist der Frauenanteil unter Nobelpreisträger*innen? Online verfügbar unter https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/daten-und-fakten/gender-award-gap/frauenanteil-nobelpreis/, zuletzt aktualisiert am 31.01.2024, zuletzt geprüft am 31.01.2024
3
Wikipedia (2024): Portal:Frauen/Biografien/Statistiken – Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Frauen/Biografien/Statistiken, zuletzt aktualisiert am 14.02.2024, zuletzt geprüft am 14.02.2024
4
Ganju, Aruna; Mahajan, Uma V.; Kemeny, Hanna; Frankel, H. Gregory; Benzil, Deborah L. (2021): Slow progress in the visibility of women in neurosurgery in the United States: opportunity for improvement. In: Neurosurgical Focus 50 (3), E10. DOI: 10.3171/2020.12.FOCUS20919 .
5
Esarey, Justin; Bryant, Kristin (2018): Are Papers Written by Women Authors Cited Less Frequently? In: Polit. Anal. 26 (3), S. 331–334. DOI: 10.1017/pan.2018.24 .
6
Statista (2020): EU - Frauenanteil in Forschung und Entwicklung (FuE) | Statista. Online verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1099153/umfrage/frauenanteil-in-forschung-und-entwicklung-fue-in-der-eu/

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